Nur Mut - dann klappt auch das Stillen
Schon während der Schwangerschaft haben die meisten Frauen eine Vorstellung davon, ob sie ihr Kind stillen oder ihm die Flasche geben wollen. Die Entscheidung für das eine oder andere liegt selbstverständlich ganz bei Ihnen. Stillen wird jedoch von Hebammen und Ärzten aufgrund einer Vielzahl von Vorteilen, die es nicht nur für das Kind, sondern auch für die Mutter bietet, sehr empfohlen.
Man weiß heute, dass fast jede Frau stillen kann, wenn sie es will, wenn sie von ihrer Umgebung unterstützt wird und umfassend informiert ist. Die meisten Geburtskliniken beschäftigen heute speziell ausgebildete Schwestern und Hebammen als Stillberaterinnen und sind stolz auf eine hohe Stillfrequenz. Denn Stillen ist zwar die natürlichste Form, ein Baby zu ernähren. Aber auch natürliche Fähigkeiten müssen erst erlernt werden. Haben Sie erst einmal den Bogen raus, ist es mit dem Stillen nicht anders als mit dem Fahrradfahren: Wenn man es erst einmal kann, ist es kinderleicht.
Und was ganz wichtig ist: Gestillte Babys bekommen noch viel mehr als einfach nur die richtige Nahrung - sie saugen zugleich Zärtlichkeit ein!
Warum Muttermilch so wertvoll ist
Mit der Muttermilch bietet die Natur eine perfekte Kraftnahrung, die ganz auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt ist. Sie enthält alle lebenswichtigen Nährstoffe - wie Vitamine, Kohlenhydrate, Eiweiß, Mineralien und Fett - in genau der Menge und Zusammensetzung, wie sie der kleine Organismus Ihres Babys am besten verarbeiten kann.
Die Proteine (Eiweißstoffe) der Muttermilch können vom Baby besonders leicht verdaut werden. Und das Milchfett der Muttermilch kann vom Baby leicht verwertet werden, weil die Milch ein fettspaltendes Enzym gleich mitliefert. Deshalb haben übrigens Brustkinder in den ersten Lebenswochen schneller wieder Hunger.
Ganz besondere Eiweißstoffe sind übrigens die Immunglobuline. Sie versorgen das gestillte Kind mit Abwehrstoffen gegen viele Keime. Dieser "Nestschutz" wirkt wie eine Art Impfung gegen viele Krankheiten.
Energie liefert der Milchzucker in der Muttermilch. Die Süße der Muttermilch erinnert das Baby an das zuckrige Fruchtwasser - sein frühestes Geschmackserlebnis.
Die Muttermilch enthält außerdem wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Hierbei spielt auch die Ernährung der stillenden Mutter eine große Rolle, denn natürlich kann die Mutter mit ihrer Milch nur die Nährstoffe an ihr Baby weitergeben, die sie vorher ausreichend zu sich genommen hat. Weitere Tipps "rund um die Milch" finden Sie auch unter oft gefragt.
Stillen stellt auch im Hinblick auf eine gesunde Darmflora die beste Ernährung dar, denn es fördert die Ausbildung einer Bifidusflora. Diese Darmflora mit natürlichen Bifidusbakterien trägt entscheidend zum Wohlbefinden des Säuglings bei, wirkt regulierend auf die Verdauung und hilft im Darm, den Körper vor Krankheitserregern zu schützen. Denn Bifiduskulturen gehören im Darm zu den "guten" Keinem. Sind sie ausreichend vorhanden, helfen sie, unerwünschte Keime zurückzudrängen.
Die Muttermilch – so funktioniert’s
Es ist erstaunlich, aber direkt nach seiner Geburt kann das Neugeborene schon seine ersten Schlückchen Muttermilch trinken. Während der letzten vier Wochen vor der Geburt bildet sich bereits eine Vormilch. Die Vormilch dient zur Überbrückung der ersten ein bis drei Tage zwischen der Entbindung und dem Milcheinschuss. Sie ist dickflüssig, gelb, besonders bekömmlich und leicht verdaulich. Mit ihr holt sich das Neugeborene auch die ersten Abwehrkräfte gegen Krankheitserreger, denn sein eigenes Immunsystem muss sich erst langsam aufbauen.
Für weitere zwei bis drei Wochen entsteht dann eine so genannte Übergangsmilch, die weniger Eiweiß, dafür mehr Kohlenhydrate und Fett, enthält - also schon eher sättigt. In der Umstellungszeit von der Vormilch zur Übergangsmilch und anschließend zur reifen Muttermilch kann die Brust spannen, weil sie sich an die Bildung größerer Mengen Milch erst gewöhnen muss.
Mit der reifen Muttermilch ist der Säugling in den ersten Monaten bestens versorgt. Für die steigenden Trinkmengen muss die Milchproduktion stärker angeregt werden. Oft geraten Mütter in Stress, wenn sie das Gefühl haben, das Baby wird nicht mehr richtig satt. Hier hilft nur eins - die Ruhe bewahren und das Baby häufiger anlegen. Durch vermehrtes Saugen wird die Brust dazu angeregt, mehr Milch zu bilden.
Darauf sollten Sie beim Stillen achten:
- Grundsätzlich sollten Sie immer nach Bedarf stillen, das heißt, Ihr Baby anlegen, wenn es Hunger hat - auch nachts (so genannte Ad-libitum-Fütterung). Es kann etwas dauern, bis die Milchmenge und Babys Hunger sich eingependelt haben. Deshalb müssen Sie am Anfang vielleicht recht soft stillen.
- Stillen Sie Ihr Baby nur, wenn es kräftig saugt. Beginnt es zu nuckeln, brechen Sie ab und starten nach einem Bäuerchen einen weiteren Stillversuch (wieder an derselben Brust anlegen).
- Lassen Sie Ihr Kind jeweils an beiden Brüsten trinken - an jeder Seite sollte es am Anfang etwa zehn, später bis zu zwanzig Minuten saugen. Zuerst an die Brust anlegen, an der die letzte Mahlzeit beendet wurde.
- Ihr Kind trinkt richtig, wenn es die Brustwarze samt Vorhof ansaugt.
- Nach dem Stillen die Brustwarzen möglichst an der Luft trocknen lassen. Nicht waschen, denn die Muttermilch enthält Stoffe, die Entzündungen lindern oder verhindern. Verteilen Sie einen Rest Milch auf den Warzen.
- Trinken Sie viel. Stilltees fördern die Milchbildung, Babysäfte sind vitaminreich und säurearm. Darauf sollten Sie achten, denn sonst gibt es durch die Fruchtsäure beim Baby leicht einen wunden Po!